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Weit mehr als 99 Luftballons
In der Tat luftig und witzig ist die Installation «Zwischen Körper und
Raum» von Eva Wandeler und Johanna Altherr, die am Sonntag in der Kunsthalle
Arbon eröffnet worden ist.
Dieter Langhart
Arbon - Fast die ganze Halle nimmt die Installation
ein, und die Kunsthalle Arbon ist keine kleine Halle. Doch nichts erschlägt die
Besucherin, im Gegenteil. Denn überall ist Luft: eingesperrte Luft in zahllosen,
farblosen Ballons, ausgesperrte Luft dazwischen. Ein Luftgebäude, das sich -
vorsichtig natürlich - betreten lässt, das nur scheint wie eine geschlossene
Skulptur, das den Besucher in seinen fragilen Innenraum lässt, der nie ganz
gleich ist.
Eva Wandeler (1969) und Johanna Altherr (1968) haben schon andere Kunstprojekte gemeinsam
ausgeführt: «Bubbles» etwa für den «Frauenaufzug» in Teufen vor einem Jahr oder
«Strang» 1998 an der Street Parade, auch dies eine Rauminstallation. Altherr
lernte Szenografie am Laban Centre in London, Wandeler arbeitet auch als
Kostümbildnerin - beiden scheint eine Vorliebe für das Leichte, Luftige eigen.
«Fast nichts und doch nicht nichts»
«Zwischen Körper und Raum», ihre Installation für Arbon, wirke wie eine grossartige Kulisse, vor der
sich das Schauspiel erübrige, sagte Agathe Nisple zur Eröffnung am
Sonntagmorgen. Die Kunsthistorikerin aus Appenzell nannte das Gebilde «fast
nichts und doch nicht nichts», das sich während der ganzen Ausstellungsdauer
permanent verändern werde. Seit dem Aufbau haben manche der anfangs klaren
Ballons bereits etwas Luft verloren, sind trüber und kleiner geworden.
In 17 auf 23 Reihen haben die beiden Zürcherinnen Drähte zwischen Decke und Boden gespannt und je fünf Ballons
daran befestigt - Primzahlmagie. Wie in einem molekularen Gebilde berührt keiner
der 1955 Körper den andern, und doch kommt keiner ohne den andern aus. Sie
verbinden sich zu einem wogenden Raumkörper, zu einem subtilen
Erfahrungsgebäude, zu einem optisch-taktilen Verwirrspiel zwischen innen und
aussen, Dichte und Luftigkeit, Beständigkeit und Vergänglichkeit. Knallrot
sticht der Hochsitz inmitten der Ballone heraus. Wer sich auf ihn hockt
(«mindestens zwei Minuten» empfiehlt Andrea Gerster von der Kunsthalle), der
setzt das Verwirrspiel zwischen innen und aussen fort, dessen Blick wird wieder
anders gefordert.
Und der zählt auch nach und merkt, dass für ihn drei Drähte
ausgespart wurden, also 15 Ballone fehlen. Somit bleiben 1940 Ballone.
Vorausgesetzt, dass keiner platzt. Doch dies täte der luftig-witzigen
Installation keinen Abbruch. Und wer in den Keller der Kunsthalle
hinabsteigt, den empfangen die Dunkelheit und, auf fünf Bildschirmen wie
Lichtblicken, Videoarbeiten zwischen Witz und Wehmut. Johanna Altherr zeigt
weitere Verwirrspiele mit Bändern, und Eva Wandeler baut skurrile
Sehnsuchtswelten auf: Wie schön wäre es, auf dem Wasser gehen oder mit dem Kopf
durch die Wand gehen zu können.
Ausstellung: Bis 16. Juli; Mi/Fr 17-19, Sa/So 14-17 Uhr.
Matinee: 3. Juli, 11 Uhr. www.kunsthallearbon.ch
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