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Luftige Geschicht
Kunsthalle Arbon präsentiert eine Installation von Johanna
Altherr und Eva Wandeler
arbon. Kaum mehr als Luft inszenieren Eva Wandeler und Johanna Altherr in der Kunsthalle, und
selbst Farbe ist dabei konsequent ausgespart. Zweitausend weisse Ballons, das
ist alles.
BRIGITTE ELSNER-HELLER
«Keine Entdeckung, welche man der Wissenschaft verdankte, hatte seit Menschengedenken das Publikum
so aufgeregt wie die Erfindung des Luftballons», ist nachzulesen. Dabei ist
nicht das Kinderspielzeug gemeint, sondern seine Vorläufer, die Menschen in die
Lüfte heben sollten (1785 flog Blanchard in einem Ballon über den Kanal). Und
der Physiker Faraday, der 1826 die Summenformel von Kautschuk ermittelt hatte,
verwendete für seine Experimente erstmals Luftballons aus Gummi.
Lichtdurchflutet
Das simple
Kinderspielzeug hat also gewichtige Vorgänger, was die Ideengeschichte angeht.
Wobei es bis heute um Spannung geht, denn nur eine hauchdünne Grenzschicht
trennt die Bereiche unterschiedlichen Luftdrucks - der Knall ist immer schon
mitzudenken. Oder eine schrumpelige Zukunft, wenn es längst um nichts mehr
geht. Auch Kunst ist Ausdruck von Ideengeschichte. Wenn unsere Vorfahren
Gefässe oder Jagdwaffen verzierten, so bestand dafür von der Funktion her keinerlei
Bedarf. Womit wir bei der Kunsthalle wären, wo Eva Wandeler und Johanna Altherr
(beide Zürich) in zweiwöchiger Arbeit an die zweitausend Luftballons
aufgeblasen und an Schnüren verspannt haben. Ein völlig «sinnloses»
Unterfangen. Doch das Auge ist gefangen von diesem lichtdurchfluteten Wald aus
weissen Blasen. In einem Raster von 17 mal 23 Bahnen sind jeweils fünf Ballons
an Schnüren befestigt, die vertikal zwischen Boden und Decke verspannt sind.
Im Keller Video
Jedem Ballon
bleibt als Freiheitsgrad die horizontale Rotationsachse, ohne dass sich
benachbarte Ballons dabei berühren. In der Mitte ein Schiedsrichterstuhl,
knallrot, mehr ein verwirrendes Signal als ein Punkt, um sich noch Überblick zu
verschaffen. Die vermeintliche Klarheit ist aufgegeben, die Geschichte kann von
hier aus beliebig weiter erzählt werden. Ebenfalls rätselhaft, jedoch weniger
poetisch als beunruhigend, die Installation von fünf Videos im Keller. Schon
der vergleichsweise niedrige Raum selbst, zu dem man durch einen Einlass im Boden
wie in den Orkus hinabsteigt, bildet eine eigene Welt, die nur durch wenige, in
Nischen gelehnte Leuchtstoffröhren mässig erhellt wird. Im Gegensatz zur
gemeinsamen Arbeit in der Halle stellen sich Eva Wandeler und Johanna Altherr
hier in getrennten Arbeiten vor. Um «Tools», Werkzeuge also, geht es Eva
Wandeler in ihren Videoarbeiten. Dabei sieht sie das Werkzeug als Mittel, den
Körper funktional zu ergänzen. Wer jetzt an etwas so Simples wie einen Hammer
denkt, erweist sich als schlichter Homo faber. Wandler ist radikaler, sie
verpasst ihren Menschengeschöpfen ringförmige Geschwülste, mit denen sich etwa
ein Kopf dann spielend an einer Wand einrennen lässt: eine skurrile, nicht
aggressionsfreie Airbag-Parallele.
Nur zwei Wochen «jung»
Johanna Altherr bleibt in den auf Video festgehaltenen Performances einem idyllischeren
Menschenbild verhaftet, wenn sie Tanzszenen festhält oder wenn sie Menschen
beobachtet, die rote Bänder wie Abbilder von Kommunikationsstrukturen durch
eine Waldlichtung ziehen. Zwei Wochen lang wird übrigens versucht, die
Ballon-Installation in ihrem «jungen» Zustand zu halten. Danach dürfen und
sollen die milchig-durchsichtigen Blasen, deren Farbe sich bereits ändert,
altern. Denn nichts ist bekanntlich so beständig wie der Wandel.
Bis 16. Juli
(Kunsthalle Arbon).
Matinee Sonntag, 3. Juli, 11 Uhr. Mi + Fr: 17-19; Sa + So: 14-17 Uhr.
www.kunsthallearbon.ch
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