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Transvers Paris: Konstrukt und künstlerische Entlarvung
Die Kunsthalle Arbon zeigt bis 23. September mit dem Projekt
«Traverser Paris
– revolte» von Annette Stöcker und Christian Selig eine multimediale
Metapher des modernen Lebensraumes und des mediengeprägten Bewusstseins.
Paris -
Montmartre... das ist das Klischee.
Paris 2006
- banlieu, révolte... das sind die Bilder, die sich über Presse und Fernsehen
im Gedächtnis eingegraben haben.
Traverser
Paris – banlieu, révolte, ligne 4… das sind drei Teile eines Projektes des Künstlerpaares
Stöckerselig, das sich mit der Dekonstruktion und Rekonstruktion des gängigen Bildes
von Paris als Metapher unseres Lebensraumes beschäftigt.
Das
Künstlerpaar Stöckerselig - Annette Stöcker und Christian Selig – lebte 2003
als Visarte Stipendiaten in Paris: individuell gelebte Zeit, gemeinsam erlebter
Raum, Paris als gigantische soziale Skulptur, die von unzähligen Lebewesen zu
dem wird, was sie ist. Diese Vorstellung findet sich in der Projektidee
„Traverser Paris“ wieder. Das Künstlerpaar bezieht andere Standpunkte,
Sichtweisen und Statements in ihre Arbeit ein. Sie entsprechen der
vielgestaltigen Wirklichkeit mit einer vielgestaltigen Sicht auf die
Wirklichkeit.
So ist z.
B. die Videoinstallation des Pariser Künstlers Patrick Hébrand in die
ausstellung in Arbon integriert, der selbst in einem dieser Pariser Vororte
wohnt und in seinem Film „Jour de colère“ die spektakuläre Medienbildproduktion
entlarvt: Den friedlichen Blick aus seinem Atelierfenster verfremdet er filmisch
durch das Flattern einer roten Lochfolie
vor dem Objektiv zu einem kriegerisch anmutenden Szenario. Das Medium selbst
wird hier exemplarisch zum Produzenten des Schreckens.
Das Konzept Stöckerseligs setzt genau da an: Es geht darum, die Medienbilder zu entlarven, von ihrer Macht zu stürzen und zu
zeigen, woraus das kollektive Bewusst sein ge-Macht ist. Die eindimensionale
Sichtweise weitet das Künstlerpaar bewusst durch die Einbindung verschiedener
Künstlerarbeiten zu dem Thema „Revolte“.
Stöckerseligs
Projekte äussern sich demokratisch, ja interaktiv. So planen die beiden eine interaktive
Videoinstallation, in der auch Besucher ihre Assoziationen zu bestimmten
Aspekten einbringen können. Es entsteht eine Sammlung unzähliger Splitter des
kollektiven Bewusstseins, auf das Stöckerselig wiederum künstlerisch reagieren
wollen.
Es ist eine
Demokratisierung der Sichtweisen, der Kunst, des Künstlers in der der
individuelle Künstler an Bedeutung verliert und das Bewusstsein vielfältiger
Sichtweisen an Bedeutung gewinnt. Bleibt zu fragen, was bestimmte Sichtweisen
so mächtig werden lässt und ob die breite Masse für eine differenziertere
Wahrnehmung reif ist.
Dass sich
diese Bedeutungsdichte der Ausstellung nicht einfach erschliesst ist eine Herausforderung
an den heutigen Ausstellungsbesucher.
Autor: Dr. D. Kaufmann
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