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aktuelle Ausstellung

steffenschöni

 

Pressetexte

Martin Preisser (Tagblatt, Kultur Thurgau, 27. August 2003)

Das Gras wachsen sehen
 

Auf den Industrieraum «Kunsthalle» eingehen, das ist stets die Grundforderung dieses Arboner Kunstortes. Das Künstlerduo Heidi Schöni und Karl W. Steffen tut das nicht in aufdringlicher oder gar beliebiger Manier, es entsagt in wohltuender Überlegung jeglicher bloss effektsicherer Attitüde. Kurz: Der Gang durch die Halle, der Blick in zwei «Tiefen» beschenkt den Betrachter mit spannender Vielfältigkeit und öffnet Assoziationsräume.
Eine Vielzahl kleiner Monitore fällt zuerst auf. Sie zaubern Unterwelt auf den Boden, pflanzliche Unterwelt. Mit Überwachungskameras im Kellerloch, wo ohne Sonnenlicht Grundnahrungsmittel angepflanzt wurden. Kann man etwas so schwer Fassbares wie Wachstum beobachten, mit modernen Medien räumlich machen, kann man das «Gras wachsen sehen»? Was wird da an scheinbar Unspektakulärem eigentlich beobachtet?
«steffenschoenis» Unterwelt ist begehbar, der Voyeur der Pflanzenwelt kommt selbst ins Bild. Klassische Stillleben-Ästhetik wird da wachgerufen. Und Fragen werden in Gang gesetzt über die Wirklichkeit medialer Vermittlung von visuell Wahrgenommenem. «basic(s)» spielt hier mit der doppelten «Wirklichkeit» auch räumlich, unter dem Kunsthalle-Boden, auf dem Kunsthalle-Boden. Es wird doppelbödig mit dem Blick auf «verborgene» Wurzeln von Wirklichkeit. Heidi Schöni und Karl W. Steffen sind weiter in die Kellergewölbe vorgedrungen. An zwei Bildschirmen, jetzt statisch, zeigen sie wie in zufälligen Momentaufnahmen Kellerboden, und wieder in ganz «zwielichtigem» Spiel mit Objektivität. Die Fotografien, festgehaltene Suche einer Archäologie des Alltags, Fundstücke einer Welt «unter uns» zeigen Spuren von längst Vergessenem, oder auch Allbekanntes in medialer Verfremdung, sprich hier: Verschönerung. Das Künstlerpaar hat sich sensibel, ja behutsam und in der Realisierung sorgfältig der Herausforderung «Raum» gestellt. Scheinbar mit leichter Hand gelingt ein Oszillieren zwischen moderner Multimedia-Technik als künstlerischem Werkzeug und dem fast stillen Beharren auf einer geheimnisvollen Welt organischer Materie. Und ganz im Sinne moderner Ästhetik gewährt ein Video dem Betrachter Einblick in den Schaffensprozess der Installation selbst.
Durch das zweite Loch wird der Blick in die Unterwelt freigegeben, der Boden dient als Leinwand. Der Raum ist Medium geworden. Im Film sieht man unter anderem, wie Pflanzen ausgetopft werden, wie Saat hergerichtet wird. Wiederum gewinnt man Einblicke ins Wachsen als Prozesshaftigkeit. Schöni und Steffen gehen nicht schrill um mit ihren modernen Medien, sie nutzen sie, um durchaus «Bodenhaftung» zu erzeugen, «basic(s)» eben. Unten wird oben, der Kunsthallenboden wird Umwandler. Es lohnt sich, ihn zu begehen und sich den Bildern zu überlassen.
 



Christof Lampart (Thurgauer Zeitung, Kultur, 26. August 2003)

Grundsätzliches sichtbar machen
 

Der Titel der Ausstellung lautet «basic(s)» und ist tatsächlich Programm, denn das Paar Heidi Schöni Steffen und Karl Steffen-Schöni, das unter dem Künstlernamen «steffenschoeni» ausstellt, macht sich in seiner jüngsten Arbeit daran, den «Grund» der Kunsthalle konzeptionell zu erforschen.
Überwachung und Mahnung in einem. Dies geschieht zum einen durch 24 kleine Überwachungsmonitoren, die, in Zweiergruppen versetzt, die rechte Hälfte der Halle einnehmen. Jeder dieser Bildschirme zeigt schwarz-weisse Nutzpflanzenbilder, die live über Kameras erfasst werden. Die Pflanzen, allesamt von den Künstlern selbst im Garten gezogen und im Untergeschoss der Kunsthalle untergebracht, sind Sinnbild für das Werden und Vergehen (bei dem im Untergeschoss herrschenden, spärlichen Dämmerkunstlicht ist Letzteres nur eine Frage der Zeit) von Dingen, die für den Menschen existenziell - also im wahrsten Sinne des Wortes «grundsätzlich» sind.
Hier wird der «Homo sapiens» radikal durch die modernen Medien auf das eigentlich Wichtige aufmerksam gemacht. Den Monitoren kommt also nicht nur eine Überwachungsfunktion, sondern zugleich eine Mahnfunktion zu. Trag Sorge zur Umwelt, lautet die ebenso einfache wie eindringliche Botschaft. Und zugleich wird suggeriert, dass der Mensch an der Situation etwas ändern könne, wenn er seine Wahrnehmung ändert. So wie die Wahrnehmung der einzelnen Bilder auf den Monitoren «geändert» werden könnte, drehte man nur den Helligkeits- oder Kontrastknopf.
Genauso viel Aufmerksamkeit erhaschte ein 17-minütiges Video, das ein paar behandschuhte Hände beim Um- und Eintopfen eben der erwähnten Nutzpflanzen zeigt. Der Farbfilm wird durch eine Öffnung im Kunsthalleboden gezeigt, sodass die Besucher hinunter schauen müssen, wollen sie etwas sehen. Ein Eisengeländer, das rund um die Öffnung angebracht ist, verhindert, dass Unvorsichtige oder neugierige Kleinkinder runterfallen können. Da der Stummfilm nicht weiter erläutert wird, nehmen die Zuschauer das Gezeigte ganz unterschiedlich wahr. Dies bestätigte eine kleine Umfrage. Eine Frau sah Fische im Wasser, ein anderer wiederum nur Käfer und ein Dritter ein surrealistisches Gemenge, das zwar schön anzusehen, aber alles in allem ohne Aussage war.
Ein gelber Streifen, rund um den Innenraum der Halle gemalt, gibt der Ausstellung eine «malerische Klammer», die Energie spendet und das Wachsende auch symbolisch, gleichsam einer omnipräsenten Sonne, symbolisch am Leben erhält. Zwei Computer, die im Diadurchlaufsystem all das im Untergeschoss gelagerte beziehungsweise entsorgte Material - vom Dreckhaufen bis zum Ruderboot - in Bildern sichtbar machen, runden die grundsätzliche Ausstellung ab.