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In Gesellschaft – Neuere Arbeiten von Klaus Schmetz
Von Ulrich Schneider
zur Ausstellung erschien eine Publikation
In gotischer Gesellschaft lautet der Titel einer Ausstellung, die von April bis Juli 1998
im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen gezeigt wird. Ein niederländischer
Privatsammler
öffnet uns sein Haus und zeigt einer Öffentlichkeit die Schätze mittelalterlicher Kunst,
mit denen er sich daheim umgibt. Kunstwerke können zur Gesellschaft werden, zu guten
Freunden, mit denen man lebt und zu denen sich bisweilen ein Verhältnis entwickelt, das
durchaus obsessive Züge zeigt. Figuren, die auf stupende Weise zur Gesellschaft werden.
Aus mächtigen Baumstämmen schlägt er in meisterlicher Handfertigkeit lebensgroße
Menschenbilder. Formal reicht die Ausfertigung von grober Bossierung mit der Kettensäge,
über die feinere Behandlung mit dem Hohleisen, bis hin zur Politur und zur farbigen Fassung.
Bisweilen kommt es zu Materialassemblagen, etwa, wenn ein Baustellenhelm, in Stein
nachgehauen, aufgesetzt, oder ein Mantel, in Metall, angezogen wird.
Nie bleibt ein Zweifel, dass es sich bei den Gestalten um
hölzerne Skulpturen handelt. Ein Stück Baumstamm wird als Plinthe stehen gelassen,
durch die lange Lagerung im Freien entstanden tiefe Risse, die Oberfläche zeigt Patina und
Moos. Dennoch strahlen die Arbeiten von Klaus Schmetz eine Wirkung aus, die dem
überraschungsträchtigen Verismus eines Duane Hanson nahekommt. Die Figur eines sinnenden
Mannes, die Hände in den Hosentaschen versenkt, die nun schon seit drei Monaten im
Museum verweilt, irritiert noch immer und immer wieder.
Wie mag solch ein Zauber zustande kommen. Klaus Schmetz beobachtet seine Mitmenschen,
seine Gesellschaft sehr genau. In vielen Zeichnungen und Aquarellen studiert er
Eigenheiten und Gewohnheiten, Mimik und Gestik seiner Motive, um ein Kondensat der
physischen und psychischen Befindlichkeit festzuhalten. Der Gantenbein des Max Frisch
muss immer wieder feststellen, dass man ihm den Blinden auch dann abnimmt, wenn er in
der Zeitung blättert. Der Schauspieler, der ein Beinleiden zeigt, wirkt dann am überzeugendsten,
wenn er nur gelegentlich humpelt. Und so deriviert Klaus Schmetz eben nur einen kleinen
Ausschnitt einer Persönlichkeit in seine Skulpturen hinein.
Die nachdenkliche Senkung eines Hauptes, eine aggressive Camera im
Anschlag, die Demonstration eines Oberschenkels oder in die Hüften gestemmte Arme können
viel mehr von einem Menschen zeigen, als photographischer Realismus mit echtem Haar und
Fliege auf dem Knie. Die Menschenbilder des Klaus Schmetz sind in ihrem unbekümmerten
Auftritt in keiner Weise entrückt, sie sind Teil unsere Gesellschaft. Ungeachtet der
Tatsache, dass sie immer Porträtcharakter haben, sind die Skulpturen Mitwelt, Umfeld.
Einige Vorbilder sind zwar Charaktäre der Aachener Kunstszene, Maria etwa mit der
Prächtigen Mähne, die meisten allerdings sind in einer Form Originale, wie sie sich in
der linksrheinischen Provinz eben befinden: Geprägt von skeptischem Mutterwitz,
selbstbewusst auch in der Wohnküche und nie um einen flotten Spruch in Aachener
Platt verlegen. Diese Gesellschaft im Suermondt-Ludwig-Museum zu haben, ist ein Teil
Aachener Kunstgeschichte, mit dieser Gesellschaft in die Schweiz zu reisen, das kann nur
neue Wege öffnen.
wird: ruhiges,
überschaubares und die Spielfreude.
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