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Steinschlag und gemalte Keramik
Martin Preisser, Kultur Thurgau, Taglatt 26. August 04
Auf hohem Niveau bewegt sich die aktuelle Ausstellung, die im
sensiblen Spannungsfeld von Malerei und Objekt mit ästhetischer Intensität
aufwartet und den Blick auf den Austausch von scheinbar Konträrem mit
Überraschendem belohnt.
Die intensiven Bilder des Belgiers Laurent Reypens sind motivisch
auf die elliptisch wirkende Grundform eines Gefässsockels reduziert. Fast
bedrohlich und überdimensioniert scheinen die gedrängten Gegenstände teilweise
über die Leinwand hinauszuquellen, die Illusion von plastischer Dimension
hervorrufend.
Das Grundmotiv kommt aber auch in Mini-Form vor, wird seriell gezeigt, bildet
grosse und kleine Rhythmen und taucht stets in eine Bewegungsdimension ein.
«Lichtes Schwarz» und «Gebrochenes Weiss» heissen die oft grossen und stets
mehrteiligen Tableaus und zeigen im Titel einen weiteren Aspekt von Laurent
Reypens Malerei: Das Oszillieren zwischen Form und Farbe als Mittel, auch
Bewegung und Veränderung von Licht darzustellen. Die Ausstellung in der
Kunsthalle ist ein gelungenes Beispiel, wie zwei Künstler in echten Dialog
treten, ein wirkliches Spannungs-, aber auch Ergänzungsverhältnis aufbauen
können, das sensible Vorbereitung und respektvolles Sich-aufeinander-Einlassen
verrät.
Die Objekte, die der Deutsche Günter Wagner den Bildern
entgegensetzt, scheinen diese nicht selten abzulösen, ja fortzusetzen. Am
augenfälligsten sind Wagners Materialien, Glas und Gusseisen. In «Steinflug»
zeigt er unterschiedliche Fallhöhen von Steinen über quadratischem Glasbruch.
Momente des Fallens werden angehalten und konkret fassbar. Zeitfluss stoppt.
Kleiner surrealer Nebeneffekt: Auch Glas, das noch nicht getroffen wurde, ist
schon zersplittert. Zeit wird auch in der Arbeit «Genese II» thematisiert, in
der die gusseisernen Pflastersteine aus einem Scherbenbeet auch herauszuwachsen
scheinen. Die Wandarbeit aus der Serie «Two in a square» scheint den seriellen
Aspekt, das Rhythmische der Bilder von Reypens weiterzutragen.
Metamorphose, Fluss, angehaltene und gedachte Bewegung bestimmen
auch die anderen Objekte Wagners in der Kunsthalle. Sie strahlen insgesamt eine
feine Grundkraft aus und definieren mit schlichten Mitteln auch intensiv den
Raum. Martina Koch, Kunsthistorikerin aus Zürich, sieht in ihrem Beitrag zum
zur Ausstellung erschienenen Katalog im Umgang mit der Dimension Zeit das
Verbindende in den präzis aufeinander bezogenen Arbeiten von Wagner und
Reypens: «Die Ensembles aus Bildern und Objekten scheinen sich nicht weniger in
der Zeit zu bewegen, als Raum zu greifen, um beides, Volumen und
Zeiterstreckung hochkonzentriert zu bündeln.»
Mit der Doppelausstellung Wagner/Reypens zeigt die Kunsthalle Arbon
internationales Format jenseits installatorischer Beliebigkeit. Beide Künstler
mussten sich in ihrer zweiten gemeinsamen Ausstellung an die Ausgangssituation
einer Fabrikhalle gewöhnen, haben dieser mit ihren Reflexionen über Zeit, Licht
und Dimensionen einen ganz besonderen Stempel aufgedrückt.
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