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Peter Kamm

Peter Kamm
 

Peter Kamms <<Merge Layers>> in der Kunsthalle Arbon

Wie kann Kunst entstehen? Antworten zu solchen Fragen breitet der Bildhauer Peter Kamm (geb. 1958) in der Kunsthalle Arbon aus unter Beizug verschiedener Freunde und Szenen.

URSULA BADRUTT SCHOCH

Noch nie wirkte die Kunsthalle in Arbon so einladend. Eine wurzelgewächsige Wandmalerei leitet um die Ecke. Rhizome, diese hauptaderlosen Wuchersysteme, weisen mäandernd einen möglichen Weg durch Arbeitstische, Gestelle, Bilderwinde, Bücher ? ein Sofa zum Musikhören soll noch kommen. Ebenso weitere Steine. Raum zum Reden, Schauen, Denken Treibenlassen ist schon da. Zeit zettelt.
Peter Kamm, Steinbildhauer mit Atelier ? im nahen Saurer-Gelände und diesjähriger Meret-Oppenheim?Preisträger, breitet seine Welt auf 650 m2 aus. "Merge Layers" heisst seine Ausstellung, die im Verbund mit Freunden entstanden ist ? genauer: am Entstehen ist, vom 28. April an für eine Woche in dieser Form steht und anschliessend sukzessive umgeschichtet und verlagert wird. "In diesem Gewebe sind Absprungstellen über das Ganze verteilt" Szenische Auflösung, assoziatives Vorgehen, Sackgassen und Fährten sind Stichworte dazu.

Umzug nach Zug

Der Anlass ist eine Art Hauptprobe für die Einladung ins Kunsthaus Zug. Dort wird sich Peter Kamm demnächst ganz ohne eigene Skulpturen einrichten und parallel dazu im nahen Ödland einer Autobahneinfahrt an einem grossen Stein zu schaffen machen. Ein Mehrjahresprojekt.
Die Frage nach den persönlichen und überindividuellen Bedingungen und Möglichkeiten von zeitgemässer Skulptur, die der Ausstellung hier wie dort zu Grunde liegt, beantwortet Peter Kamm mit dem mannigfaltigen Einblick in seine Schatzkammer der Beziehungsfelder. "Es geht um Triebstrukturen, die offen gelegt werden", sagt er.

Karbon steht nicht nur für Kamm in Arbon, sondern auch für die Reisen durch geologische und andere Zeitalter. Einem versteinerten Schachtelhalm Im National-Geographic-Wickel kann ebenso begegnet werden wie einer Plastikdinosammlung in der Kartonschachtel eines Fossilienhändlers oder einem schwarzen feinwelligen Bodenabguss aus Basel. Steine schlagen Brücken.

Beiläufig

Was ist Skulptur, was Fundstück? Die Grenzen werden bedeutungslos. Bücher bekommen skulpturalen Charakter. Kein Teil steht für sich abgeschlossen, sondern existiert im Bezugssystem mit andern, Wachsende Verdichtung. Ein Narwalzahn, Moby Dick, Tatoos für Gigantenkörper, Fabelwesen, Seemännertum, Sehnsucht, Höhle, Underground. Der Wettermacher wächst wie Alice ins Riesenhafte. Auch Füchse und Paviane leben im Verbundsystem.

Eine kleine Latex?Negativ-Skulptur leuchtet bernsteinern und für einen Moment gewichtig im Sonnenlicht auf. Behauene Steine und der Hallenboden verstehen sich prächtig. "Die vertikale Nobilitierung fällt weg", meint der Protagonist. Kein retrospektives Pfauenrad des Bildhauers also. Sondern im Sinne des Rhizom-Modells der Kulturphilosophen Deleuze / Guattari eine hierarchielose Zusammenstellung von Verbindungen und Schnittstellen.

"Etwas fehlt immer" grüsst ein Künstlerfreund. Eine Ermunterung zur Unvollständigkeit. Lücken überbrücken mit dem Wurzelgeflecht Beiläufig.

Eröffnung mit Matthias HaIdemann: 28. April 11.00 Uhr, Kunsthalle Arbon. Ausstellung bis 1. Juni Mi?Fr 17?19, Sa?So 14?17 Uhr.
Kunsthaus Zug: 17 Mai bis 25. August