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Absurd gut
Zeugung, Geburt, Tod, Ewigkeit - Stefan Inauen,
1976 geboren, also keine dreissig Jahre jung, in Appenzell aufgewachsen und in
Berlin an der Universität der Künste in Ausbildung, hat sich die grossen Themen
der Menschheit vorgeknöpft. Ausgehend von Sebastian Brands Narrenschiff malte
er für die Kunsthalle Arbon vier grosse quadratische Bilder, die den Kreislauf
des Lebens aufnehmen. In vielschichtigen Zeichen und metaphernreichen Überlagerungen
erzählen die Tafeln Geschichten über das Werden, Sein, Vergehen. Darin haben
Liebe, Sinnlichkeit und Schönheit ebenso Platz wie Bedrohung, Gewalt, das
Absurde und das Hässliche. Es gibt auch einen Heiligen, der aber auch Uhr sein
könnte, die Zeit also als zeitgemässe Heilige. Je länger die Bilder betrachtet
werden, desto mehr Augenfutter und Assoziationsketten liefern sie. Stefan
Inauen hat Denis Eggenberger zum Mitspiel eingeladen, den Freund aus
Appenzeller Jugendzeit, der Fahnen, Förderband und Heuwagen mitgebracht hat und
am See die Hölle baut. Gemeinsam erkunden die beiden ihre «Sandkastenverwandtschaft».
Ursula Badrutt, Appenzeller Zeitung
Sakrale Sandkastenspiele
Sie zählen mit zu den jüngsten Künstlern, die je in der Kunsthalle in Arbon
ausgestellt haben: Denis Eggenberger, Jahrgang 1974 und im Kanton
St. Gallen aufgewachsen, und Stefan Inauen, geboren 1976, in Berlin und
Arbon lebend. Bereits bei der Vernissage von «Sandkastenverwandtschaft» haben
sie die Menschen in ihren Bann gezogen mit Installationen und Bildern.
Realisiert haben sie sie speziell für die Ausstellung in Arbon. Ihre je
eigene Auseinandersetzung mit den künstlerischen beziehungsweise den
religiösen Wurzeln ihrer Arbeiten - und damit: mit sich selbst - währt
indes schon länger und überrascht dadurch, dass es ihnen, wenn man das
so formulieren darf, die Klassiker der westlichen Kulturen angetan
haben: «Ich habe mich mit Hieronymus Bosch und seiner Formen- und Bildsprache
beschäftigt, die mich von Anfang an fasziniert hat», sagt Denis Eggenberger.
«Dabei habe ich mich vor allem mit Strukturen und Archetypen von Menschen
beschäftigt und habe ihnen in der Gegenwart nachgespürt.» Sagts und steht vor
einem entliehenen und realen Heuwagen, dessen üppige Ladung ihren süssen Duft
verströmt - ähnlich dem berühmten Vorbild aus der Zeit des Vorabends der
Reformation: Vielleicht dient der mannshohe Zaun um den Wagen zum Schutz der
Besucherinnen oder des Künstlers selbst und will sie und ihn vor dem Gehörnten
und der Höllenfahrt bewahren.
Tendenziell philanthrope Züge jedenfalls wohnen auch den anderen Elementen
der Installation inne. Einem Förderband etwa, mit dem die Steine für den
Bau von Babylon transportiert werden könnten; oder einem Wasserbassin,
das gut geschützt und abgezirkelt ist - man kann sich nicht in die Tiefe
und ins eigene Verderben stürzen, durchbricht man nicht die Absperrung.
Aber wie es so ist im Leben und in der Kunst: die Entscheidung hierüber treffen
letztendlich die Menschen selbst. Und in der Arboner Kunsthalle ist es eben der
junge Eggenberger, der die Menschen vor die Wahl stellt mit seinen tiefsinnigen
Installationen.
Stefan Inauen hat sich auch im künstlerischen
Ausdruck den Klassikern zugewandt. In zwei Monaten hat er unter anderem vier
grossformatige Bilder gemalt und zudem den profanen architektonischen
Strukturen der Kunsthalle in Arbon sakrale Züge angedeihen lassen. Geprägt hat
ihn und seine gezeigte Arbeit die - katholische - Religion: «Ich war als Kind
Messdiener, und mein ganzes Leben war geprägt von der Kirche. Daraus sind
Eindrücke entstanden und es haben sich Einstellungen entwickelt, die in meinen
Arbeiten auch verändert zum Ausdruck kommen.» Inauen hat sich zunächst mit dem
Narrenschiff des Sebastian Brant beschäftigt mit seinen nicht weniger als 112
Lastern der Menschheit. Schliesslich aber hat er selbst vier Ideen entwickelt
und in vier Bilder gefasst, die durchaus abgespaced und mit Graffiti und
Science-Fiction-Anklängen daherkommen: Zeugung, Geburt, Tod, Ewigkeit.
In die Waagschale geworfen haben die beiden
jungen Künstler eine ganze Menge: Understatement, Provokation,
schweisstreibende Muskelkraft und vor allem: den Blick auf das Woher und Wohin,
die Licht- und Schattenseiten der menschlichen Existenz. Deswegen: Runter vom
Sofa, weg von der EM und hurtig ab nach Arbon.
Eva Grundl, Thurgauerzeitung
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