Die Mainau bekommt Konkurrenz

Seit Sonntag, 10 Uhr schwimmt sie in der Steinacher Buch, die Gartenau, wie jede echte Insel nur per Boot zugänglich. Gezimmer hat sie Heinrich
Gartentor, Thurner Künstler und im Internet letzten Herbst zum inoffiziellen Schweizer Kulturminister gewählt. Er will der Mainau Konkurrenz machen.
Auf zehn Quadratmetern gibt es eine kleine begraste Anhöhe samt einem Montpellier-Ahorn. Gartentor reiht das schwimmende Objekt in seine Serie
netter Attentate ein. Man soll sich fragen, was es soll, erklärt er. Und mancher Passant am See wird sich das auch fragen. Mehr als 120 Kilogramm
Gewicht hält die Gartenau, die bis Mitte Oktober in der Buch schwimmen soll, nicht aus. Und das Zahlenschloss an der Tür zur Mini - Mainau kann nur
öffnen wer den Zugangscode kennt. Heinrich Gartentor hat sich die Installation der Insel einfacher vorgestellt. Nur dank Rolf Latscha, der das
Kunstobjekt mit seinem 200-PS-Schiff im Schritttempo und am Bestimmungsort mit nur 60 Zentimetern unter Kiel gefährlich nahe am Grund der
Vernissage zog, kam es rechtzeitig vor der Vernissage zum Schwimmen. Es hierher gebracht zu haben, war auch eine Kunst, sagt Rolf Latscha.
30 Vernissagebesucher liessen es sich nicht nehmen, die Gartenau zu erkunden. Um diese Kunst zu sehen, muss man etwas tun, sagt der Künstler.
Eben etwas 30 Minuten in die Pedale treten.

Martin Presser