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Augenblicke im Paradies
Eine weisse Krähe auf erotisch bestrumpften Frauenbeinen. Glitzernd wie
Diamanten die Augen. Neun leuchtend rote Männertorsi stehen im Raum
zusammengerückt wie eine Herde Tiere, die ihr Gegenüber fixieren. Dem einen
wächst ein Hahnenkamm, dem anderen Hasenohren, dem Dritten spriesst ein
Antilopengeweih aus dem Kopf. Ausserdem zu sehen, ein schwarzes Figurenpaar.
Beine, Arme, Hände und Füsse so eng verschlungen, dass die beiden Körper zu
einem vielgliedrigen Leib verschmelzen. Die Grenzen zwischen Mensch und Tier
zerfliessen mitunter im Werk von Sandra Becker.
Ihre nackten männlichen und weiblichen Figuren aus Epoxydharz faszinieren
durch haptische Präsenz und starke Farbigkeit. In mehrteiligen
Installationen erobern sie den Raum. Die Wände werden dabei zu
Projektionsflächen für grafische Körperbilder, die sich in den Skulpturen
wieder finden und mit der barocken Idee einer Grenzerweiterung des Raumes
durch ornamentale Überflutung spielen.
Die anziehende Sinnlichkeit der Körper möchte den Betrachter ansprechen, ihn
durchaus verführen näher zu treten. Doch aus der Nähe gesehen zeigt sich die
Oberfläche des Materials undurchdringbar, kalt, künstlich. Dann wirken die
Skulpturen hermetisch, nach aussen verschlossen. Selbstvergessen und
traumverloren hängen zwei grüne Frauenkörper in extremen Positionen, aber
mit übernatürlicher Leichtigkeit, an den Wänden. Der irdischen Schwerkraft
enthoben, kann nichts ihre geheimnisvolle Selbstbezogenheit stören. Nur
Form, nur Hülle, innen hohl spiegeln sie die Illusion eines Moments der Ruhe
und des Einsseins wieder. Ein paradiesischer Zustand in der Schwebe zwischen
Rausch und Besinnung.
Sandra Becker, 1966 in Schaffhausen (Schweiz) geboren und in Karlsruhe
lebend, studierte Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der bildenden
Künste Karlsruhe. In der Kunsthalle Arbon zeigt sie Arbeiten der letzen 3
Jahre. Darunter eine aktuelle Werkgruppe, die im Juni erstmals öffentlich zu
sehen ist.
Die Vereinigung des scheinbar Unvereinbaren bildet einen zentralen Aspekt im
Werk von Sandra Becker. Angesprochen ist dabei auch die Aufhebung von
Gegensätzen im Dialog der Geschlechter, wie dieses Gespräch verläuft, davon
können Sie sich in der Kunsthalle Arbon ab 10. Juni selbst ein Bild machen.
Am Sonntag 01.07. um 11 Uhr begleitet die Künstlerin die Besucherinnen und
Besucher selbst durch die Ausstellung.
Führung mit Sandra Becker. Sonntag 01.07. um 11 Uhr
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