Véronique Zussau

anywhere but outside

27. April bis 25. Mai 2008

Poesie des Entzugs

Eine Insel, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Wellen. Eine Idylle? Sie wird brutal durchschnitten und durchgestrichen durch grelles Scheinwerferlicht und durch spanische Reiter, denen zur vollkommenen Martialität einzig der Stacheldraht fehlt. Auch Kreuze könnten das sein, unter deren Last die erhoffte Erlösung zusammenbricht.

Das ist der Plot einer Erzählung, einer möglichen Erzählung. Véronique Zussau führt sie nicht aus. Ihre Installation ist aber auch keineswegs Illustration. Eher ist es so, dass hier Fragmente einer Narration zu sehen sind, die nicht ausformuliert werden soll und kann. Was scheinbar mit leichter Hand kombiniert ist, verdichtet sich auf der Stelle. Leerstellen öffnen Fragen. Andeutungen stacheln die Fantasie an. Bekanntes trifft auf Unbekanntes. Das ist ein Verfahren, das sich an der philosophischen Romantik ebenso orientiert wie an surrealistischen Spielen. Es öffnet sich so ein Raum der Ahnungen, in den Betrachterinnen und Betrachter fast automatisch involviert werden. So zurückhaltend diese Setzungen sind, die Véronique Zussau macht, so stark ist der Sog, den sie ausüben.

Wenn Poesie die Kunst des Viel- und Mehrdeutigen ist, dann ist die in Bern lebende Künstlerin Véronique Zussau eine Poetin des Visuellen. Mit ihrem Spiel des Als-Ob – als ob man begriffen hätte, als ob da eine Erzählung vorläge, als ob es eine Botschaft gäbe –, mit dieser Irritation des Entzugs schafft sie immer wieder neue Erfahrungsräume. Deren Kennzeichen ist die Behutsamkeit, die stets spürbar ist und die auch die Arbeitsweise der Künstlerin auszeichnet. Rasche und vorschnelle Behauptungen sind ihre Sache nicht. Das Märchen und die Fabel mit ihrer Abgründigkeit stehen ihr näher als die direkte Dokumentation. Dabei umgeht sie mit ihrer Poetik der Leerstellen die Gefahr, eine Moral zu formulieren. Indem aber, wer sich darauf einlässt, fast hinterrücks mitten drin steht, wird nach und nach auch merkbar, dass das Sujet stets eines ist, dem Träume und Albträume der Gegenwart eingeschrieben sind. Diese haben bei Véronique Zussau notwendigerweise ihre eigene Logik. Das ist der Reiz, das ist die stille Kraft ihres Werkes.

Konrad Tobler

So, 27. April 2008, 11 Uhr
Vernissage

Öffnungszeiten
Fr 17 – 19 Uhr
Sa/So 13 – 17 Uhr

Kunsthalle Arbon
Grabenstrasse 6
Postfach 160
CH-9320 Arbon