stöckerselig

traverser Paris: revolte

20. August bis 23. September 2006

Traverser Paris: Konstrukt und künstlerische Entlarvung

Die Kunsthalle Arbon zeigt bis 23. September mit dem Projekt «Traverser Paris – revolte» von Annette Stöcker und Christian Selig eine multimediale Metapher des modernen Lebensraumes und des mediengeprägten Bewusstseins.

Paris – Montmartre… das ist das Klischee.
Paris 2006 – banlieu, révolte… das sind die Bilder, die sich über Presse und Fernsehen im Gedächtnis eingegraben haben.
Traverser Paris – banlieue, révolte, ligne 4… das sind drei Teile eines Projektes des Künstlerpaares Stöckerselig, das sich mit der Dekonstruktion und Rekonstruktion des gängigen Bildes von Paris als Metapher unseres Lebensraumes beschäftigt.

Das Künstlerpaar Stöckerselig – Annette Stöcker und Christian Selig – lebte 2003 als Visarte Stipendiaten in Paris: individuell gelebte Zeit, gemeinsam erlebter Raum, Paris als gigantische soziale Skulptur, die von unzähligen Lebewesen zu dem wird, was sie ist. Diese Vorstellung findet sich in der Projektidee «Traverser Paris» wieder. Das Künstlerpaar bezieht andere Standpunkte, Sichtweisen und Statements in ihre Arbeit ein. Sie entsprechen der vielgestaltigen Wirklichkeit mit einer vielgestaltigen Sicht auf die Wirklichkeit.

So ist z. B. die Videoinstallation des Pariser Künstlers Patrick Hébrand in die ausstellung in Arbon integriert, der selbst in einem dieser Pariser Vororte wohnt und in seinem Film «Jour de colère» die spektakuläre Medienbildproduktion entlarvt: Den friedlichen Blick aus seinem Atelierfenster verfremdet er filmisch durch das Flattern einer roten Lochfolie vor dem Objektiv zu einem kriegerisch anmutenden Szenario. Das Medium selbst wird hier exemplarisch zum Produzenten des Schreckens.

Das Konzept Stöckerseligs setzt genau da an: Es geht darum, die Medienbilder zu entlarven, von ihrer Macht zu stürzen und zu zeigen, woraus das kollektive Bewusst sein ge-Macht ist. Die eindimensionale Sichtweise weitet das Künstlerpaar bewusst durch die Einbindung verschiedener Künstlerarbeiten zu dem Thema «Revolte».
Stöckerseligs Projekte äussern sich demokratisch, ja interaktiv. So planen die beiden eine interaktive Videoinstallation, in der auch Besucher ihre Assoziationen zu bestimmten Aspekten einbringen können. Es entsteht eine Sammlung unzähliger Splitter des kollektiven Bewusstseins, auf das Stöckerselig wiederum künstlerisch reagieren wollen.

Es ist eine Demokratisierung der Sichtweisen, der Kunst, des Künstlers in der der individuelle Künstler an Bedeutung verliert und das Bewusstsein vielfältiger Sichtweisen an Bedeutung gewinnt. Bleibt zu fragen, was bestimmte Sichtweisen so mächtig werden lässt und ob die breite Masse für eine differenziertere Wahrnehmung reif ist. Dass sich diese Bedeutungsdichte der Ausstellung nicht einfach erschliesst ist eine Herausforderung an den heutigen Ausstellungsbesucher.

Dr. D. Kaufmann

So, 20. August 2006, 11 Uhr
Vernissage

Einführung: Fabian Meier

So, 10. September 2006, 11 Uhr
Künstlergespräch

mit Thomas Seelig (Fotomuseum Winterthur)

Öffnungszeiten
Fr 17 – 19 Uhr
Sa/So 13 – 17 Uhr

Kunsthalle Arbon
Grabenstrasse 6
Postfach 160
CH-9320 Arbon