Eva Wandeler / Johanna Altherr

12. Juni bis 16. Juli 2005

Weit mehr als 99 Luftballons

In der Tat luftig und witzig ist die Installation «Zwischen Körper und Raum» von Eva Wandeler und Johanna Altherr, die am Sonntag in der Kunsthalle Arbon eröffnet worden ist.

Dieter Langhart

Arbon – Fast die ganze Halle nimmt die Installation ein, und die Kunsthalle Arbon ist keine kleine Halle. Doch nichts erschlägt die Besucherin, im Gegenteil. Denn überall ist Luft: eingesperrte Luft in zahllosen, farblosen Ballons, ausgesperrte Luft dazwischen. Ein Luftgebäude, das sich – vorsichtig natürlich – betreten lässt, das nur scheint wie eine geschlossene Skulptur, das den Besucher in seinen fragilen Innenraum lässt, der nie ganz gleich ist.

Eva Wandeler (1969) und Johanna Altherr (1968) haben schon andere Kunstprojekte gemeinsam ausgeführt: «Bubbles» etwa für den «Frauenaufzug» in Teufen vor einem Jahr oder «Strang» 1998 an der Street Parade, auch dies eine Rauminstallation. Altherr lernte Szenografie am Laban Centre in London, Wandeler arbeitet auch als Kostümbildnerin – beiden scheint eine Vorliebe für das Leichte, Luftige eigen. «Fast nichts und doch nicht nichts»

«Zwischen Körper und Raum», ihre Installation für Arbon, wirke wie eine grossartige Kulisse, vor der sich das Schauspiel erübrige, sagte Agathe Nisple zur Eröffnung am Sonntagmorgen. Die Kunsthistorikerin aus Appenzell nannte das Gebilde «fast nichts und doch nicht nichts», das sich während der ganzen Ausstellungsdauer permanent verändern werde. Seit dem Aufbau haben manche der anfangs klaren Ballons bereits etwas Luft verloren, sind trüber und kleiner geworden.

In 17 auf 23 Reihen haben die beiden Zürcherinnen Drähte zwischen Decke und Boden gespannt und je fünf Ballons daran befestigt – Primzahlmagie. Wie in einem molekularen Gebilde berührt keiner der 1955 Körper den andern, und doch kommt keiner ohne den andern aus. Sie verbinden sich zu einem wogenden Raumkörper, zu einem subtilen Erfahrungsgebäude, zu einem optisch-taktilen Verwirrspiel zwischen innen und aussen, Dichte und Luftigkeit, Beständigkeit und Vergänglichkeit. Knallrot sticht der Hochsitz inmitten der Ballone heraus. Wer sich auf ihn hockt («mindestens zwei Minuten» empfiehlt Andrea Gerster von der Kunsthalle), der setzt das Verwirrspiel zwischen innen und aussen fort, dessen Blick wird wieder anders gefordert.

Und der zählt auch nach und merkt, dass für ihn drei Drähte ausgespart wurden, also 15 Ballone fehlen. Somit bleiben 1940 Ballone. Vorausgesetzt, dass keiner platzt. Doch dies täte der luftig-witzigen Installation keinen Abbruch. Und wer in den Keller der Kunsthalle hinabsteigt, den empfangen die Dunkelheit und, auf fünf Bildschirmen wie Lichtblicken, Videoarbeiten zwischen Witz und Wehmut. Johanna Altherr zeigt weitere Verwirrspiele mit Bändern, und Eva Wandeler baut skurrile Sehnsuchtswelten auf: Wie schön wäre es, auf dem Wasser gehen oder mit dem Kopf durch die Wand gehen zu können.

Das Resultat wird am 19. August 2007 zu sehen sein. Das Experiment dürfte auch anschaulich machen, wie sich Natur und Technik Raum aneignen, welche Spuren Impulse und Pläne hinterlassen, wie beschränkt verfügbare Güter verteilt werden und welche Sprache der Raum spricht.

So, 12. Juni 2005, 11 Uhr
Vernissage

Einführung; Agathe Nisple, Kunsthistorikerin, Appenzell

So, 3. Juli 2005, 11 Uhr
Matinee

Öffnungszeiten
Fr 17 – 19 Uhr
Sa/So 13 – 17 Uhr

Kunsthalle Arbon
Grabenstrasse 6
Postfach 160
CH-9320 Arbon