André Büchi / Daniel Manser

Ansammlungen

15. Juni bis 19. Juli 2003

Thurgauer Zeitung vom Mittwoch, 18. Juni 2003, Ressort Kultur

Angesammelt, zerstreut

Zwei Künstler, zwei unterschiedliche Installationen, ein gemeinsamer Titel, eine gemeinsame Aktion: André Büchi und Daniel Manser stellen in der Kunsthalle Arbon aus.

Andrea Gerster

Arbon – Sein Thema ist der Kern. Seit früher Kindheit ist Daniel Manser (40), in St. Gallen lebender Künstler, von Kernen fasziniert. Sein Bestreben ist, so formuliert er selber, in seinen Arbeiten auf den Kern zu kommen. Sei es, indem er Kerne zeichnet oder sie als Objekte mit unterschiedlichen Materialien umsetzt.

Die aktuelle Arbeit in der Kunsthalle weicht auf den ersten Blick von diesem, seinem ursprünglichen Thema deutlich ab. 720 Objekte hat er realisiert und auf einer rund 20 auf 3 Meter messenden Fläche in Reih und Glied aufgestellt. Nicht von ungefähr mögen Assoziationen aufkommen: Zinnsoldaten oder gar Soldatenfriedhof fallen spontan ein. Die Objekte stehen auf einer bemalten Holzplatte, die leicht abgesetzt vom Boden ist. Die Farbe, ein Olivbraun, wirkt einerseits diskret, trägt aber dennoch einen guten Teil zur Wirkung des Ganzen bei. Das Objektfeld selbst ist grob in drei Teile unterteilt. Die einzelnen Objekte sind im Gussverfahren hergestellt worden. Das Material: Gips, Zement und Pigmente.

Da ist das Gebinde für Öl, Ölkannen, die in die Höhe ragen. Ganz flach hingegen sind die nachempfundenen Kekse-Verpackungen. Wieder in die Höhe ragen angeschnittenen Brote: Der Sonntagszopf, die Brötchen. Durch die unterschiedlichen Höhen entsteht eine Wellenbewegung im sonst ruhig wirkenden Feld. Die Objekte verlieren auf Distanz an Form, sie werden unwichtig: Es dominieren die durch die strenge Anordnung entstandenen geometrischen Linien. Das Objektfeld wird dabei zum Sehfeld. Was ist mit dem Thema Kern? «Sonnenblumen- oder Erdnussöl», verweist Daniel Manser auf die Ölkannen. Auch fürs Brot brauchts Kerne, das weiss der gelernte Konditor/Confiseur, und bei den Keksen hat er die so genannte Kernverpackung gewählt.

Scheinbar zufällig

Während Daniel Manser die Horizontale bespielt hat, nimmt sich sein Künstlerkollege André Büchi (41), ebenfalls in St. Gallen lebend und arbeitend, der Vertikalen an. In ungefähr demselben Ausmass an Fläche. Er hat im rechten Drittel der Kunsthalle eine Mauer aufgezogen, Schachteln in völlig unterschiedlichen Dimensionen aufgeschichtet, 20 Meter lang und 3 Meter hoch. Scheinbar zufällig aufeinander gelegt, sind immer wieder Zwischenräume auszumachen, die nicht zwangsläufig Stabilität versprechen.

Diese Leerräume schliessen sich auf Distanz – es könnte ein Bild entstehen –, doch da sind die Grenzen des Raums, der Kunsthalle. Die Schachteln sind Verpackungsmaterial mit den ästhetischen Logos und Schriftzügen, mit bebilderten Gebrauchsanweisungen – von der Teesorte bis zum Waschmittel, von der Stereoanlage bis zum Staubsauger. Die «schöne» Fläche immer den Betrachtenden zugewandt, als wäre da ein Sponsor, der dies erwartete. Der Wall aus Kartonschachteln verändert die Kunsthalle, teilt sie, ohne sie zu verkleinern.

André Büchi arbeitet oft installativ: Eine Mauer aus Lebenssteinen mit unterschiedlichen Füllungen, 140 Regenschirme, die im Boden verankert sind, ein Einkaufsplastiksack-Würfel. In seiner Malerei fallen zum einen die quadratischen Formen auf und wiederum bei den Motiven der Griff in den Alltag: Logos, Schriftzüge, Piktogramme. Die Installationen von Daniel Manser und André Büchi sind unabhängig voneinander entstanden.

So, 15. Juni 2003, 11 Uhr
Vernissage

So, 29. Juni 2003, 11 Uhr
Matinee

mit Roland Inauen, Konservator Museum Appenzell

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Kunsthalle Arbon
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